Blumen – Gedichte – Maerchen

Smile

Des Dichters Traumbild – Peter Auzinger

Des Dichters Traumbild.

Worte, die den Busen schwellen
Heben über’n Erdenraum
Und der Geist soll sich nicht quälen
Mit dem irdisch flauen Traum.

Wie die Schwalbe, frei von Qualen,
Streichet durch der Lüfte Hauch,
Muß der Geist sein Bild sich malen,
Fühlt, wie sie, die Freiheit auch.

Also sich ein Jüngling dachte,
Der im Denken fühlt‘ sein Glück,
»Vorwärts, immer vorwärts trachte,
»Und nie einen Schritt zurück. «

Sieh ! da regt sich’s aus den Höhen,
Und er sah ein zaub’risch Bild ;
Sah ein himmlisch Wesen säen
In vertrocknetes Gefild.

Und das Wesen strahlend, mächtig
Streute Perlen in den Sand,
Streut’s aus Schaalen, himmlisch, prächtig,
D’rauf das Wort »Gedanken « stand.

Und kaum hat den Grund berühret
Diese wundersame Saat,
Ei ! wie sich’s da regte und rühret
Aus der Erde, aus dem Pfad.

Und es wächst und keimt und sprießet
Hoch und höher in das Blau ;
Kostbar, wie die Saat, so grüßet
Schon die Frucht den Erdenbau.

Und der Häupter kennt‘ er Viele,
Die der grüne Halm erschloß ;
Sind es nicht in Menschenhülle
Ew’ge Geister hehr und groß ?

Ja ! es sind die Dichter Alle,
Die er staunend hier erschaut,
Die von Gott dem Erdenballe
Zur Bewund’rung anvertraut.

Zwei doch ragen hoch in’s Weite
Aus der großen Meisterschaar
»Das seid Ihr ! « ruft er vor Freude
»Deutscher Dichtung Fürstenpaar ! «

Schiller spricht und mit ihm Göthe,
Und er hört der Worte Laut :
»»Trinke nie der Dichtung Lethe,
»»Bleib ihr treu und eng vertraut ! ««

Da jetzt plötzlich aus den Höhen
Schwebt herab das Musenroß,
Und im Fluge kaum zu sehen,
Führt es auf den Dichtertroß,

Und der Jüngling fühlt ein Sehnen :
»Pegasus, zur Höh‘ mich nimm ! «
Faßt ihn kräftig an den Mähnen,
Schwingt sich auf den Rücken ihm.

Und das Herz in tiefster Regung
Fühlet nimmer Rast, noch Ruh‘
Und in mächtiger Bewegung
Rufet er dem Rosse zu :

»Heb, Dich ! Heb‘ Dich, breit‘ die Flügel
»Pegasus, hinauf zur Höh‘ !
»Roß der Musen, ohne Zügel,
»Trage mich in Gottes Näh‘ ;

»Trag hinauf mich zu den Sternen
»Zu der Künste Königin !
»Sah ihr Bild nur aus den Fernen ; –
»Es berauschte meinen Sinn ! «

Und mit kräft’gem Flügelschlage
Schwingt sich auf der Pegasus
»Schönster meiner schönen Tage,
»Bring den Brüdern meinen Gruß ! « –

Eh‘ er sichs noch kaum recht dachte,
Stand er schon im Dichterkreis ;
Doch er schleicht zum Letzten sachte –
Hinter diesem steht er leis.

Und er sah im lichten Strahle
Thronen dort die Königin ;
Fühlet jetzt mit einem Male
Seines Thuns verweg’nen Sinn.

Dann mit Ernst und hoher Würde
Spricht die Muse göttlich rein :
»»Warum schändest Du die Zierde
»»Fremdling ! Warum drangst Du ein ? «« –

Und er stürzt sich vor ihr nieder :
»Ach ! Vergib o Königin !
»Will Dir bringen meine Lieder :
»Mächtig zog’s zu Dir mich hin,

»Nichtgezeugte, Nichtgeborne,
»Du, die niemals Lüge spricht,
»Zeig Dein Antlitz nicht im Zorne,
»Zeig Dein gütig Angesicht ! « –

Und sie lächelt huldvoll wieder,
Tritt herab von ihrem Thron,
»Singe « spricht sie »Deine Lieder,
Sei der Muse würd’ger Sohn !
Sieh, daß jeder Mensch Dich achte !
Denn nur der hat hier Asyl,
Der der Menschheit Freude brachte
Durch der Worte Zauberspiel ! «

»Und in ew’ger Wonne lebet,
»Wer mir nicht den Rücken kehrt ;
»Geistesfreiheit zieht und hebet
»Auch das Herz zu höh’rem Werth. «

Und der Jüngling fühlt Entzücken,
Wie er’s nie im Busen trug :
»Göttin !« rief er ! »Dein Beglücken
»Ist der Wahrheit schönster Zug ! « –
»Will Dir freudig, ewig dienen,
»Herrliche, mit Herz und Hand ! «
Ruft’s und wachet aus dem Sinnen –
Und das schöne Traumbild schwand.

Aber oftmals kehrt es wieder
Und es drängt ihn mächtig hin :
»Fahret wohl ihr Erdenbrüder,
»Mich rufet meine Königin ! «

Peter Auzinger (1836 – 1914)
Aus Herzensklänge, 1867.

21. Februar 2017 - Posted by | — Auzinger Peter, — — Herzensklaenge 1867, Dichter | ,

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