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Das Gastmahl – Peter Auzinger

Das Gastmahl.

Der Reichthum saß in seinem Prunkgemache
Und gab ein glänzend, köstlich duftend Mahl ;
Damit der Witz entsprud’le und erwache,
D’rum kreis’t gar frisch der schäumende Pokal.

Es waren an der ries’gen Tafelrunde
Der Gäste mancherlei, die Reichthum liebt ;
Und all‘ gesprächig, floß die Reb‘ vom Munde,
Ganz ohne Rückhalt, wie das Herz sie gibt.

Der Geiz gibt der Verschwendung gute Lehren,
Dem Stolz vertrauet sich Frau Eitelkeit ;
Der Hochmuth scheint Frau Hoffart zu verehren,
Der Uebermuth die Thorheit eifrig freit.

Und Alle, wie sie da versammelt waren,
Wie sie auch heißen mögen sonder Wahl,
Sie unterhielten sich vertraut, zu Paaren :
Auch ehrten sie des Wirthes herrlich Mahl.

Ganz unten fast, da wo die Tafel endet,
Schon halb hinausgedrängt, saß der Verstand,
Zur Frau Bescheidenheit war er gewendet
Auf seiner Schulter ruhet ihre Hand.

Es war nicht sonderliche Augenweide
Den Uebrigen, die Glanz und Pracht umgab ;
Denn von dem Goldprocat, von Sammt und Seide
Stach dieses schlichte Paar gewaltig ab.

Man merkt‘ es wohl, daß Keinem es behagte ;
Das Nasenrümpfen gar kein Ende fand,
Zumal da der Verstand es öfters wagte,
Die Red‘ zu schmäh’n, die diese klug genannt.

So kam es denn, daß all die werthen Gäste
In kurzer Frist beim Wirthe sich beklagt,
Und ihn beschwatzen, wie bei frohem Feste
Solch‘ nied’res Volk sich einzudrängen wagt ;

So, daß der Reichthum endlich zornerglühet,
Der Zunge Band nicht länger halten kann.
Und mit Verachtung, die dem Aug‘ entsprühet,
Hebt er mit stolzem Worte also an :

»Genug ist’s nun, daß Ihr an solchem Orte
»Die werthen Gäste mir stets kränkt und schmäht,
»Und unter sie mit klügelnd frechem Worte
»Der üblen Laune bösen Samen sä’t.

»Man lud Euch nicht – Ihr kam’t – und war’t geduldet,
»Weil »Arme man doch nie verstossen soll ! –
»Und wahrlich hab ich’s nicht an Euch verschuldet,
»Daß Ihr erregt der lieben Freunde Groll !

»Der ungebet’ne Gast mag sich entfernen :
»Solch Bettelvolk führt nur herbei der Neid ;
»Die Kunst »sich aufzudrängen « zu erlernen,
»Sind Hundert Eu’res Gleichen wohl bereit.

»Ihr wollt‘ Euch nähren stets von fremden Glücke
»Euch lockte nur hierher das üpp’ge Mahl ;
»D’rum sehet zu, daß ich Euch nimmer blicke,
»Und räumt für alle Zeiten meinen Saal ! « –

Da tief erröthend, und das Aug‘ in Thränen,
Hatt‘ Frau Bescheidenheit sich rasch entwand’t ;
Und gleich, als sollte er ein Gott sich wähnen,
Sprach hoch begeistert, glüh’nden Auges, der Verstand ;

»Nicht um zu betteln, sahest du mich kommen,
»Nicht um zu kriechen, wie im Staub der Wurm ;
Die freie Brust ist keineswegs beklommen
»Durch nied’rer Wünsche wild erregtem Sturm.

»Wohl meinest Du, vor deinem seid’nen Kleide
»Da winselt knieend man zur Herrlichkeit.
»Bist du’s gewiß, daß man dich auch beneide ?
»Hegst du nicht Zweifel für die Ewigkeit ?

»So juble, Thor und dünke dich erhaben,
»Weil du mit Mammon reichlich bist bedacht ;
»Doch siehe zu : Trotz Glanz und Erdengaben
»Wirst du verhöhnt, von Allen nur verlacht,

»Die Glückesleiter steigst du auf und nieder ;
»Doch deine Größe fällt dem Wurm zum Raub.
»Denn was die Welt gibt, nimmt die Welt auch wieder.
»So bleibt nichts dir, als deiner Knochen Staub ;

»Nur was der Himmel spendet, wird uns nie genommen,
»Es bleibt ein ewig, unschätzbares Gut
»Und wird als kostbar Erde in die Völker kommen,
»Wenn einst der Körper in der Erde ruht.

»Von Kopf zu Kopf, von einer Brust zur andern,
»Geehrt von Allen, denen man es nennt,
»So wird das geist’ge Sein durch Welten wandern,
»Und Jedem Nutzen bringen, der’s erkennt !

»Magst du dich brüsten mit Fortuna’s güld’nen Spenden,
»Dein Glück zerfließt mit Deinem nackten Sein
»Das meine nie ; es wird nicht mit dem Leben enden,
»Bricht auch das Herz, – die Welt bleibt ewig mein ! « –

Da plötzlich fährt empor der Gäste Menge,
Sie waren arg beleidigt, tief verletzt.
Und bald wird dem Verstand der Raum zu enge,
Er weicht der trunk’nen Horde, die ihn hetzt.

»Fahr hin ! « schreit auf der Stolz, der ihn verhöhnet,
»Such dir die Heimath, die für dich entschwand ! «
»Hinaus ! « brüllt auch der Hochmuth, daß es dröhnet ;
»Was suchst du hier ? Wir brauchen nicht Verstand ! « –

Und in der wirren Stimmen grellem Schalle
Drängt der Bedrohte nach der Thüre hin ;
Mit kühnem Satz verschwindend aus der Halle :
Sah man gerettet ihn von dannen zieh’n. –

Seit jener Zeit sah man wohl manchen thronen ;
Doch die Vertrieb’nen kamen nie zu Gast ;
Weil sie dem Wirth nur da zum Segen wohnen,
Wo kräft’ger Sinn ein edles Herz umfaßt. –

Peter Auzinger (1836 – 1914)
Aus Herzensklänge, 1867.

25. Februar 2017 - Posted by | — Auzinger Peter, — — Herzensklaenge 1867, Dichter | ,

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